Kreditrückblick Juni 2018: Anzeichen für Zinsanstieg noch in diesem Jahr

ChristianH - 5. Juli 2018

norisbank TestDie Hälfe des Jahres liegt hinter uns. Anleger und Kreditnehmer stellen sich derzeit die Frage, ob es noch in diesem Jahr zu Zinserhöhungen kommen könnte. Die jüngsten Aussagen der Europäischen Zentralbank legen den Schluss nahe, dass sie bald eine Wende in ihrer Geldpolitik anstrebenkönnte. Auf ihrer Juni-Sitzung wurde bekannt, dass ihr Anleihenkaufprogramm im Dezember auslaufen wird. Mitte 2019 könnte die Zentralbank dann erstmals seit Jahren die Leitzinsen erhöhen.

Niedrige Zinsen Nachteil für Sparer

Noch immer sind die Zinsen für Sparer sehr niedrig. Lohnt sich eine Anlage in ein Sparkonto oder in Tages- oder Festgeld in diesem Jahr noch? Möglicherweise könnten sich noch in diesem Jahr die Zinsen auf Sparguthaben erhöhen. Derzeit liegen sie noch immer auf einem Rekordtief. Seit zehn Jahren gehen die Zinsen immer weiter nach unten. Seit 2016 belässt die EZB den Leitzins bei 0,0 Prozent. Dies hat für Sparer dramatische Folgen. Auf Sparkonten sind die Zinsen noch immer ebenso niedrig wie auf Tagesgeld und Festgeld. Kreditnehmern bieten sich allerdings aufgrund der niedrigen Zinsen Vorteile. Sie kommen so in den Genuss sehr günstiger Kredite. Ein guter Vergleich der einzelnen Anbieter ist jedoch sinnvoll. Allerdings könnte es auch bei Krediten langsam aber sicher zu einem Zinsanstieg kommen.

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Zinsen auf Sparguthaben stiegen zuletzt 2015 leicht

Die Zinsen auf Spar- und Tagesgeldkonten verzeichneten zuletzt Ende 2015 einen leichten Anstieg. Als aber die EZB im März 2016 den Leitzins auf 0,0 Prozent festlegte, wurde auch diese Entwicklung gestoppt. In den darauffolgenden zwei Jahren sanken die Zinsen immer weiter. Tagesgeldkonten sind aus diesem Grund für Sparer noch immer recht unattraktiv. Bei Festgeld gab es zuletzt im Sommer 2016 eine leichte Entwicklung nach oben. Bis April 2018 fielen aber auch hier die Zinsen.

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Anzeichen für Zinsanstieg

In den letzten Wochen häufen sich jedoch die Vorzeichen eines baldigen Zinsanstiegs. So erhöhte in den USA die Notenbank Fed am 13. Juni schon zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen, die nun in einer Spanne von 1,75 bis zwei Prozent liegen. Eine zwei vor dem Komma gab es dort zuletzt vor dem fast zehn Jahren vor dem Höhepunkt der Finanzkrise.

In diesem Jahr könnten in den USA noch zwei weitere Zinserhöhungen anstehen. Die aktuellen Konjunkturzahlen sind ebenso wie die Daten vom Arbeitsmarkt sehr positiv. Mit raschen Zinsschritten will die Fed zudem einer Überhitzung der Konjunktur entgegenwirken. Die Wirtschaftspolitik des Präsidenten, insbesondere die von Donald Trump auf den Weg gebrachte Steuerreform, könnte langfristig negative Folgen für die US-Wirtschaft haben. Daher will die Fed möglicherweise mittelfristig ein neutrales Zinsniveau erreichen, dass die Wirtschaft weder bremst, noch ankurbelt. Bis nächstes Jahr könnte es daher zu weiteren Zinserhöhungen kommen und ein Zinsniveau von drei Prozent erreicht werden.

Noch keine Zinserhöhungen in der Eurozone

Die EZB zieht bislang eben sowenig nach wie die Schweizerische Notenbank. Lediglich in Großbritannien gab es im Herbst 2017 eine Zinserhöhung, um die wirtschaftlichen Folgen der Brexit-Entscheidung abzufedern. Die Entwicklungen in den USA könnten allerdings bald auch in Europa zu einem Ende der niedrigen Zinsen führen.

Allerdings sieht der Präsident der Schweizer Nationalbank, Thomas Jordan, die Zeit für eine Zinserhöhung in der Schweiz noch nicht gekommen. Die Lage sei mit Blick auf den Schweizer Franken noch zu instabil. Die SNB verfolgt das Ziel, die Landeswährung möglichst niedrig zu halten, da die der exportorientierten Wirtschaft des Landes entgegenkommt. Um dieses Ziel zu erreichen, greift die SNB auch am Devisenmarkt ein. Kürzlich stieg der Franken im Zuge der Krise in Italien erneut.

Trendwende bei der EZB denkbar

Ein baldiger Kurswechsel der EZB ist also allerdings denkbar. Die Ankündigung, im Dezember den Kauf von Anleihen zu beenden, wird als erste Schritt in diese Richtung gewertet. Möglicherweise könnte es danach zu einer ersten Zinserhöhung kommen. Experten nennen derzeit Mitte 2019 oder Herbst 2019 als möglichen Zeitpunkt für eine Anhebung des Leitzinses. Da im August keine EZB-Sitzung stattfindet, könnte es im September oder Oktober 2019 soweit sein.

Auch die bessere wirtschaftliche Situation in Südeuropa spricht für eine Neuausrichtung der Geldpolitik der Zentralbank. Viele südeuropäische Länder wie Spanien, Griechenland oder Portugal litten lange unter der Finanzkrise. Das Hilfsprogramm für Griechenland endet im August und auch aus Portugal kommen positive Zahlen aus der Wirtschaft und vom Arbeitsmarkt. Griechenland will sich ab Sommer wieder selbst am Kapitalmarkt finanzieren können.

Inflation und Rohölpreise in Deutschland steigen

Ein wichtiger Indikator für die EZB ist die Inflation. Noch kann sie ihr Zwei-Prozent-Ziel nicht annähernd erreichen. In Deutschland geht die Inflation allerdings bereits in diese Richtung. Noch im Dezember 2016 lag sie bei nur 1,70 Prozent, im Mai dieses Jahres bereits bei 2,2 Prozent.

Auch höherer Rohölpreisesind ein gutes Signal für die EZB. Im Januar 2016 kostete ein Liter Öl nur 41 Cent pro Liter, derzeit sind es etwa 70 Cent. Statistisch gesehen könnten darüber hinaus ausländische Anbieter, die deutsche Kunden mit höheren Zinsen umwerben, für einen Anstieg der Sparzinsen sorgen.

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Hindernisse für EZB

Auf der anderen Seite gibt es derzeit auch einige Faktoren, die gegen einen raschen Anstieg der Zinsen sprechen, da die EZB möglicherweise ein zu hohes Risiko eingehen könnte. An erster Stelle ist hier die jüngste Krise in Italien zu nennen, wo seit einigen Wochen eine europaskeptische Regierungskoalition aus der rechtspopulistischen Lega und der als linkspopulistisch eingestuften 5-Sterne-Bewegung an der Macht ist. Ein Ausstieg aus dem Euro scheint zwar derzeit nicht zur Debatte zu stehen, allerdings muss man abwarten, wie sich die politische und wirtschaftliche Situation in Italien weiter entwickelt.

In Italien stecken zudem noch immer viele Banken in der Krise. Die Monte die Paschi hat beispielsweise noch immer mit vielen faulen Krediten zu kämpfen. Die traditionsreiche Bank wurde mittlerweile in eine Bad Bank umgewandelt. Andere Banken im Land haben ebenfalls mit Verluste in Milliardenhöhe zu kämpfen.

Inflation großes Thema für EZB

Ein großes Thema für die EZB ist, wie bereits angedeutet, die Inflationsrate. Langfristig will die Zentralbank eine Teuerungsrate von zwei Prozent erreichen. Dieser Wert gilt als ideal für die Preisstabilität. Aktuell ist man von dieser Zielmarke noch weit entfernt. Verfehlt die EZB langfristig weiterhin dieses Ziel, könnte dies gegen eine baldige Zinserhöhung sprechen. Der aktuelle Anstieg in einigen Ländern könnte nur auf höhere Energiepreisen basieren und wäre damit nicht nachhaltig. Für dieses und nächstes Jahr konnte die EZB allerdings ihre Prognose um 0,3 Prozent auf 1,7 Prozent nach oben korrigieren.Dennoch geht man auch für 2020 nicht von einer Inflationsrate von zwei Prozent aus.

EZB unterstützt Staaten und Banken

Zwar stabilisiert sich die wirtschaftliche Situation in Ländern wie Portugal oder Griechenland langsam, allerdings hat die EZB noch immer mit den Nachwirkungen der Finanzkrise zu kämpfen. Beispielsweise muss die EZB noch immer Staaten und Banken in Südeuropa unterstützen. Kommt es zu einer Zinserhöhung, bedeutet dies für die betroffenen Staaten und Banken, dass für diese die Kosten zur Beschaffung von Geld und bei Rückzahlungen steigen würden. Bei Staatsanleihen könnte dies im schlimmsten Fall die Pleite eines Staates zur Folge haben. Darüber hinaus werden sich höhere Zinsen auch auf den Aktienmarkt auswirken, denn Zinserhöhungen haben in der Regel sinkende Aktienkurse zur Folge.

Sorge um Wirtschaftswachstum

Die EZB blickt wohl auch mit Sorge auf das Wirtschaftswachstum, das sich seit Jahresbeginn in ganz Europa verlangsamt hat. Als Gründe werden Streiks in mehreren Ländern, beispielsweise der Bahnstreik in Frankreich, sowie eine Grippewelle in einigen europäischen Ländern zu Jahresbeginn genannt. Falls das Wirtschaftswachstum allerdings weiter schwächelt, könnte sich dies ebenfalls auf die Entscheidungen der EZB auswirken. Die Verantwortlichen der EZB lassen derzeit verlauten, dass der Leitzins noch mindestens bis Mitte 2019 auf dem aktuellen Tiefstand bleiben wird. Eine Stagnation des Wirtschaftswachstumskönnte zur Folge haben, dass die Zentralbank eine mögliche Zinserhöhung ins Jahr 2020 verschiebt.

In den ersten Monaten 2018 wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,4 Prozent. Zuvor konnte das BIP dreimal in Folgen um 0,7 Prozent im Quartal zulegen. Die EZB korrigierte daher nun ihre Prognose für dieses Jahr auf 2,1 Prozent nach unten. Hier spielen laut EZB-Präsident Mario Dragi auch internationale Risiken wie die Zunahme des Protektionismus eine Rolle.

Die Norisbank überzeugt mit Vielfalt

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Autokäufer profitieren von niedrigen Zinsen

Wer derzeit ein Auto kaufen möchte, profitiert noch immer von sehr niedrigen Zinsen auf Autokredite. Der aktuelle effektive Jahreszins von 2,94 Prozent stellt ein Sechs-Jahres-Tief dar. 2012 lag der effektive Jahreszins noch 2,03 Prozentpunkte höher. Dazu kommt, dass je nach Anbieter Zinsunterschiede von mehr als vier Prozentmöglich sind. Autokäufer sollten daher die aktuellen Angebote gut vergleichen. Dabei sollten sie auch berücksichtigen, dass Gebraucht- und Neuwagen in diesem Jahr mehr als 14 Prozent teurer geworden sind als noch 2017. Dies geht aus Zahlen des Fahrzeugmarkts mobile.de hervor.

Bei einem Autokredit mit einer Laufzeit von 67 Monaten zahlen Kreditnehmer derzeit etwa 15.000 Euro. Aufgrund des effektiven Jahreszinses von 2,94 Prozent liegen die Zinsen bei etwa 1.272 Euro. Noch vor sechs Jahren musste man 2.169 Euro an Zinsen zahlen. Die Zinszahlungen sanken damit in den letzten Jahren um 41 Prozent.

Zinsen bei Autokrediten sinken seit sechs Jahren

Seit 2012 ist also ein deutlicher Rückgang des effektiven Jahreszinses zu beobachten. Vor sechs Jahren lag er bei 4,97 Prozent. Diese Entwicklung könnte allerdings bald ihr Ende finden. 2018 sank der Zinssatz für Autokredite bislang im Vergleich zu 2017 nur um 0,08 Prozent. Autokäufer sollten daher nicht mit einem weiteren Zinsrückgang rechnen.

Bei den Zinsen auf einen Autokredit spielt immer auch die Bonität des Kreditnehmerseine Rolle. Hier kann es allerdings innerhalb der einzelnen Bonitätsklassen ebenfalls zu großen Unterschieden kommen. Wer über die beste Bonität verfügt, kann mit Zinsunterschieden von 4,5 Prozentrechnen. Dies entspricht einem Preisunterschied von knapp 2.000 Euro. Die Zinsen liegen in diesem Fall zwischen 0,69 und 5,19 Prozent. Diese Zahlen gehen aus einer Analyse der FMH Finanzberatung und des Kreditportals smava hervor.

Kreditmarkt sehr unübersichtlich

Der Kreditmarkt wird häufig als sehr intransparentbeschrieben und gilt für Kreditnehmer als sehr undurchsichtig. Kreditnehmer können oftmals keinen Überblick bekommen und sind daher über die sehr großen Zins- und Preisunterschiede oft nicht informiert. Daher zahlen viele Kreditnehmer zu viel Geld für ihre Kredite. Ein Kreditvergleichsrechner kann hier hilfreich sein und bares Geld sparen.

Fazit: Steigende Zinsen in Sicht

Womöglich ist die Zeit der niedrigen Zinsen bald vorbei. Die Signale, dass es bald zu höheren Zinsen kommen könnte, nehmen zu. Während für Kreditnehmer die niedrigen Zinsen ein Vorteil sind, belasten diese Sparer.

In den USA liegen die Zinsen bereits wieder bei 1,75 bis zwei Prozent. Bei zwei Prozent lagen die Zinsen zuletzt vor dem Höhepunkt der Finanzkrise. Die Zinserhöhung in Juni war bereits die zweite in diesem Jahr in den USA. Wahrscheinlich folgen weiter zwei Anhebungen in diesem Jahr. Auch für 2019 geht man in den USA von weiteren Zinserhöhungen aus. Dort könnten die Zinsen bald bei drei Prozent liegen. Dies wäre ein neutrales Niveau, dass auch die negativen Folgen der Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump abfedern könne. Die Fed befürchtet vor allem durch die massiven Steuersenkungen eine Überhitzung der Wirtschaft.

Die EZB hat mit dem Ende ihres Anleihekaufprogramms wohl ebenfalls eine Trendwende eingeläutet. Nachdem die Anleihenkäufe im Dezember enden, könnte eine Zinserhöhung in den Blick genommen werden. Ab Mitte 2019 könnte es dann soweit sein. Allerdings könnten die schwache Konjunkturentwicklung zu Jahresbeginn sowie die ihrer Sicht noch immer aus zu niedrige Inflation für die EZB Hürden darstellen.

Auch bei Autokrediten könnte die Zeit der niedrigen Zinsen langsam zu Ende gehen. Aktuell liegen die effektiven Jahreszinsen bei 2,94 Prozent und damit auf einem Sechs-Jahres-Tief. 2012 mussten Kreditnehmer noch 4,97 Prozent Zinsen bei Autokrediten zahlen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr gingen die effektiven Jahreszinsen in den letzten Monaten jedoch nur noch um 0,08 Prozent zurück. Daher scheint auch hier eine Trendwende wahrscheinlich. Allerdings sind auch innerhalb der einzelnen Bonitätsklassen die Preisunterschiede je nach Anbieter sehr groß.

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